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Nach fast 40 Jahren ist Schluss
Luigi sagt „Servus“: Joachim und Christa Zache betreiben Osterhofener Pizzeria nur noch bis Ende 2025
Christa und Joachim Zache haben die Pizzeria gegenüber dem Bahnhof vor fast vier Jahrzehnten vom „echten“ Luigi übernommen. Der würde „Ciao“ sagen, sie sagen „Servus“ – in der Hoffnung auf einen Nachfolger. − Foto: Bormeth
Die einstige Bahnhofsrestauration in Osterhofen (Landkreis Deggendorf) beheimatet seit mittlerweile fast vier Jahrzehnten eine Institution: die Pizzeria Luigi. Doch Ende des Jahres werden Christa und Joachim Zache den letzten Gang servieren, sie möchten in Ruhestand gehen.
Eine Frage vorab, die immer wieder gestellt wird: Wer ist eigentlich dieser Luigi? Etwa der Kellner mit dem markanten Bart, der die Gäste so herzlich begrüßt? Der Chef schmunzelt: Er heißt Joachim Zache. Und der beliebte Kellner heißt Heinz und ist der Bruder der Chefin, Zaches Frau Christa. Damit ist ein Irrtum aufgeklärt, den der Eigentümer aber gerne stehen lässt: „Es bleibt ja in der Familie.“ Und Familie ist eine wichtige Zutat für das Erfolgsrezept der Pizzeria.
Zurück zu Luigi: Von ihm haben die Zaches ihr Lokal vor fast 40 Jahren übernommen. „Der mittlerweile verstorbene Luigi Nestola hatte hier seit Mitte, Ende der 70er Jahre eine Pizzeria betrieben“, blickt Joachim Zache zurück auf die Geschichte des Gebäudes, das als Bahnhofsrestauration ab den 50ern von Betreibern namens Liebwein und später Binder geführt wurde. „Meine Frau Christa und ich haben uns als Gäste mit Luigi angefreundet.“
1989 ist das Ehepaar aus Göttersdorf in das Lokal eingestiegen
Das Lokal hieß damals noch „Da Luigi“ (Bei Luigi) und lief nicht sonderlich gut. 1989 beschloss das in Göttersdorf lebende Ehepaar Zache, dem Freund zu helfen, und stieg mit ein. Ein alles verändernder Schritt für den aus Duisburg stammenden Joachim Zache, damals Werkschutzfachmann bei BMW, und seine aus Reisbach kommende Frau Christa, zu der Zeit im Einzelhandel tätig. Mit Gastronomie hatten die beiden nichts zu tun. Dennoch übernahmen sie bereits ab 1990 das Geschäft von Nestola vollständig.
Bis das Lokal populär wurde, vergingen gut fünf Jahre. „Die Leute mussten erst herausfinden, was wir hier machen“, erzählt Christa Zache. „Ich bin anfangs parallel noch arbeiten gegangen, um das Personal im Lokal bezahlen zu können“, blickt Joachim Zache zurück auf herausfordernde Jahre. Die heute überall gegenwärtige italienische Küche hatte zu Zeiten Luigi Nestolas in einer niederbayerischen Kleinstadt noch Seltenheitswert.
Seit 1989 quasi dieselben Gerichte auf der Speisekarte
Die Zaches führten einen Pizzatag mit vergünstigten Preisen ein, um das zu ändern. Noch heute findet er immer mittwochs statt, weil er so beliebt wurde. Genauso wie die Pizzen, von denen gut 50 Sorten in jeweils acht verschiedenen Größen zur Wahl stehen.
Die Pizzeria Luigi ist kein Ristorante mit gehobener Küche. Statt Trüffel gibt’s bodenständige, ehrliche Kost – das, was sich der Bayer gemeinhin vorstellt, wenn er an Sommerurlaube in Bibione und Rimini denkt. „Wir haben seit 1989, mit ganz wenigen Veränderungen, ein- und dieselben Gerichte auf der Speisekarte“, bekundet Joachim Zache. Damit hat er das Herz der Gäste gewonnen: „Sie wissen, was sie bei uns kriegen. Was wir machen, machen wir schon lange und deswegen richtig gut.“ Köche stellt Joachim Zache nicht mehr ein. Er weiß, was der Gast erwartet, und kocht selbst. Mit viel Herz, Liebe und frischer Sahne: „Nicht mit Fertig- oder Tiefkühlware. Das braucht Zeit.“
Ein Lokal für die ganze Familie
„Vom Kleinkind bis zum Senior findet bei uns jeder etwas“, fügt Christa Zache hinzu. „Das Wichtigste: Wir sind ein Lokal für die ganze Familie, Kinder sind willkommen. Die heutigen Stammgäste sind die Enkel früherer Stammgäste.“ Dass es neben Pizza und Pasta auch Wiener Schnitzel und Cordon-Bleu gibt, gehört zur Philosophie – ebenso wie moderate Preise. Bei steigenden Rohstoff- und Produktionskosten eine enorme Herausforderung: „Das rechnet sich nur, wenn wir viel verkaufen“, verdeutlicht Joachim Zache. „Und das heißt viel Arbeit, wenig Freizeit, kaum Urlaub.“
Genau das ist der Punkt. Joachim Zache ist 66, Christa Zache 65 Jahre alt. Als die beiden Großeltern wurden, nahmen sie sich vor, mit dem Enkel nachzuholen, was sie bei Sohn und Tochter nicht geschafft haben. „Jetzt ist der Enkel 18 und wir hatten wieder kaum Zeit“, bedauert Joachim Zache.
„Wir haben so viele tolle Gäste“
Im Jahr 2000 erweiterten die Zaches ihr Lokal auf gut 200 Sitzplätze und bauten eine Kegelbahn an. Bis auf das alte Spülbecken ist so ziemlich alles erneuert worden. Hatte das Lokal ursprünglich 23 Angestellte, so sind es nach der Corona-Pandemie noch elf. Auch wenn Luigi „nur“ noch vier Tage die Woche und seit jeher erst zum Abendgeschäft geöffnet hat – zu tun ist täglich, von früh bis spät. In der Küche, im Büro, am Gebäude.
Die zwei Herzen, die im Betreiberpaar schlagen, sind spürbar. Der Wunsch nach dem Ruhestand einerseits, Liebe und Leidenschaft für ihre Pizzeria andererseits. „Es gibt nichts Schöneres, als wenn die leeren Teller zurück in die Küche kommen und man weiß, es hat den Leuten geschmeckt“, beteuert Joachim Zache und strahlt allein bei der Vorstellung. Und Christa Zache betont: „Wir haben so viele tolle Gäste.“ Die bedauern die drohende Schließung unisono.
Käufer gesucht für Gaststätte, Biergarten, Kegelbahn, Wohnungen
Joachim Zache macht kein Geheimnis daraus, dass er bereits seit Dezember 2019 einen Käufer für das Gebäude sucht, das neben Gaststätte, Biergarten und Kegelbahn auch Wohnungen beinhaltet. Seine Idealvorstellung: „Jemand, der die Pizzeria mit unserer Philosophie weiterführt.“ Liebend gern würde er willige Quereinsteiger „in alle Geheimnisse einweihen“.
Bislang jedoch fehlt ein passender Anwärter. Wenn das so bleibt, wird Silvester 2025 der letzte Tag der Pizzeria in der einstigen Bahnhofsrestauration sein. Dann ist Schluss. Für Christa und Joachim Zache aber wird es ein Neubeginn: „An den Gedanken von Freizeit müssen wir uns erst gewöhnen.“